Mittwoch, 11. Januar 2012
Balsam für die Seelen aller Trauernden
Großes gemeinsames Konzert der Kantoreien des evangelischen Kirchenbezirks Südliche Kurpfalz in der Stadtkirche in Walldorf
Walldorf. (cds) Für ihr großes Konzert am
Volkstrauertag hatten die Kantoren des
evangelischen Kirchenchores Hockenheim,
des Schwetzinger Vokalensembles
und der Kantorei an der Stadtkirche
Wiesloch die evangelische Kirche in
Walldorf gewählt, die ihr 150-jähriges
Bestehen feiert. Schon eine Stunde vor
Beginn strömten die Konzertbesucher in
das schöne, frisch renovierte neugotische
Gotteshaus. Bald waren die Bankreihen
restlos gefüllt und die zusätzlich aufgestellten
Stühle besetzt, sodass nur noch
Stehplätze angeboten werden konnten.
Über den Besucherandrang freute sich
Dekanin Annemarie Steinebrunner, die
das Projekt initiierte und tatkräftig unterstützte
– auch mit ihrer Stimme. Monatelang
hatten sich die über 150 Sänger
mit den Kantoren Christian Schaefer
(Wiesloch), Christian Bühler (Hockenheim)
und Detlev Helmer (Schwetzingen)
auf diesen Abend vorbereitet. So
entstand aus drei Chören ein homogener
Klangkörper, komplettiert durch das 40-
köpfigen Heidelberger Kantatenorchester.
Eine solche Klangfülle erfordern
nämlich das monumentale „Deutsche
Requiem“ von Johannes Brahms und
Psalm 42 „Wie der Hirsch schreit“ von
Felix Mendelssohn Bartholdy.
Wenn die Tage kürzer und kälter werden,
fühlen sich die Menschen an ihre
Endlichkeit erinnert und gedenken der
Verstorbenen. Trost bieten diese großen
Werke: „Psalm 42“ und das „Deutsche
Requiem“ sind als Musik für die Lebenden
zu verstehen. Balsam für die Seelen
aller Trauernden durften die Zuhörer in
der Stadtkirche erleben.
Mendelssohns Psalmvertonung erfreute
sich schon zu seinen Lebzeiten großer
Beliebtheit. Geheimnisvoll, wie aus
dichten Nebeln, setzte das gut disponierte
Orchester ein. Der erste Choreinsatz
gehörte dem Alt, der mit „Wie der
Hirsch schreit nach frischem Wasser“
lieblich das Thema vorstellte, das die übrigen
Stimmen nach und nach aufnahmen
und kontrapunktisch verarbeiteten.
Eindrucksvoll ließen die Sänger der
Schwetzinger und Wieslocher Kantoreien
unter der Leitung von Christian
Schaefer das Werk erklingen. Im Gegensatz
zu den harten Worten des Psalms
verbreitete der weichtönende Eingangschor
Frieden und Trost. Mit großer Präsenz
glänzte der Chor.
Die anschließende Arie „Meine Seele
dürstet nach Gott“, ergreifend gesungen
von Sopranistin Josefa Kreimes, führte
einen innigen Dialog mit der meisterlich
spielenden Solo-Oboe. Wunderschön gelang
das Zwiegespräch zwischen Sopranistin
und dreistimmigem Frauenchor.
Josefa Kreimes, die von der Kanzel aus
sang, beeindruckte mit ihrem warmen
Sopran. Stimmgewaltig setzten die Tenöre
und Bässe im vierten Satz ein. Unter
die Haut ging das wunderschöne
Quintett „Der Herr hat des Tages verheißen
seine Güte“ der Männerstimmen
zusammen mit dem Solosopran. Zutiefst
beeindruckte die machtvolle Schlussfuge
„Preis sei dem Herrn“.
Brahms beschäftigte sich mehr als ein
Jahrzehnt mit seinem „Requiem“. Der
Tod seines Freundes Robert Schumann
und der seiner Mutter hatten ihn erschüttert
und veranlasst, sich mit Tod und
Ewigkeit auseinanderzusetzen. Und vermutlich
wollte er seinem Rivalen Wagner
ein ebenbürtiges Werk präsentieren
– und ihm gelang damit der Durchbruch.
Er ging neue Wege und wählte tröstende
Texte aus der Lutherbibel, damals revolutionär,
zumal Christus als Erlöser
nicht vorkommt. Text und Musik berühren
die Menschen bis heute zutiefst.
Clara Schumann sagte, das „gewaltige
Stück“ wirke „erschütternd und besänftigend“:
Zwischen diesen Polen pendeln
die sieben Sätze des Requiems.
In tiefen Klangregistern, mit erdiger
Färbung, setzte das Orchester unter
Christian Bühler ein. Zart ließen die Chöre,
um die Sänger aus Hockenheim erweitert,
das „Selig sind, die da Leid tragen“
erklingen. Der Chor überzeugte als
ausdrucksstarker Klangkörper. Gleich
einem Trauermarsch erklang der zweite
SatzundjagtedenZuhörernSchauerüber
den Rücken, zumal ihn aufwühlende Orchesterklänge
und düstere Paukenschläge
begleiteten. Im gleichen Satz
wurde der Vergänglichkeit mit dem „So
seid nun geduldig, Ihr lieben Brüder“ die
Ewigkeitshoffnung entgegengesetzt.
Hervorragend gelang der Dialog zwischen
Bariton Thomas Herberich und
Chor im „Herr lehre doch mich“. Herberich,
der auch von der Kanzel sang,
überzeugte mit weichem Schmelz, aber
auch mit kraftvollem Zupacken. Detlev
Helmer dirigierte die letzten drei Sätze.
Traumhaft gestaltete Sopranistin Josefa
Kreimes die zu Herzen gehende Arie „Ihr
habt nun Traurigkeit“.
Im sechsten Satz erschollen machtvoll
die „letzten Posaunen“, brauste das
Orchester und jagten sich apokalyptische
Bilder von Tod und Hölle. Chor, Solist
und Orchester verschmolzen in einem
erschütternden Aufschrei. Dieses
furchterregende Toben in c-moll mündete
im feierlichen Hymnus „Herr, du bist
würdig zu nehmen Preis und Ehre“ in
strahlendem C-Dur. Die Freuden der
Ewigkeit ließ der zarte Schlusschor „Selig
sind die Toten“ erahnen.
Nach einem kurzen Moment atemloser
Stille brandete nicht enden wollender
Beifall auf. Die begeisterten Zuhörer
erhoben sich von ihren Plätzen und zollten
den Mitwirkenden ihre Anerkennung
für diese großartige Leistung.
Mittwoch, 5. Oktober 2011
Presse zur Uraufführung "Kaltes Herz"
„Kaltes Herz“ rührt an
05.10.2011 - WORMS
Von Angela Zimmermann
KINDERTHEATER Uraufführung begeistert
Der Köhlerjunge Peter Munk (Thomas Jakobs) ist traurig. Wie gerne wäre er ein reicher Mann, stattdessen muss er Tag ein, Tag aus Holz zu Holzkohle verarbeiten. Peter Munk ist die Hauptfigur des neuen Musiktheaterstücks „Das kalte Herz“ der Musik-Bühne Mannheim, das im Wormser Theater nun uraufgeführt wurde.
Grundlage des musikalischen Märchens, geschrieben von Eberhard Streul, ist das gleichnamige Märchen von Wilhelm Hauff. Im „Wormser“ begeisterte Streuls Inszenierung Jung und Alt gleichermaßen. Klug, spannend und romantisch bringt Streul das Märchen auf die Bühne. Frank Steuerwalds Kompostionen verzaubern die Zuschauer und rühren die Herzen an. Im Zentrum der Handlung steht der arme Thor Peter, der unsterblich in Lisbeth (Anne-Kathrin Herzog) verliebt ist. Doch die tanzt lieber mit dem „Tanzprinz“ (Anne-Kathrin Herzog), der jedes Parkett zum Glühen bringt. Da kommt Peter eine Idee. Da er ein „Sonntagskind“ ist, möchte er das „Glasmännchen“ (Christina Prieur) herbeirufen, denn einer Legende nach erfüllt das Glasmännchen Sonntagskindern drei Wünsche. Gesagt, getan, Peter versucht sein Glück und begibt sich in den dunklen Tannenwald, wo das Männchen leben soll.
Waberndes, grünes Licht verbreitet eine mystische Atmosphäre. Ein paar kleine Eichhörnchen kommen Peter zu Hilfe. Kleine Rollen für Kinder gehören zum Konzept des Musiktheaters. Die Nachwuchsdarsteller gehören nicht zum Ensemble, sondern werden an den einzelnen Spielorten von den Veranstaltern akquiriert. „Manchmal holen wir sie auch spontan aus dem Publikum“, erzählt Streul.
Glasmännchen gewährt zwei Wünsche
Bevor es Munk gelingt, das Glasmännchen hervorzulocken, erscheint der „Holländer Michel“ (Thomas Herberich). Mit seiner vollen, dunklen Singstimme versetzt Herberich so manchem Kind zunächst einen kleinen Schrecken, doch der Effekt ist genau der richtige für die Rolle des Holländers, ein zwielichtiger, hinterhältiger Zeitgenosse. Er verspricht Peter große Reichtümer. Dieser wiederum verscheucht den Bösewicht und schafft es endlich, das Glasmännchen anzulocken. Zwei Wünsche werden Peter gewährt, den dritten enthält ihm das Glasmännchen zunächst vor. Peter wünscht sich, dass er tanzen kann wie der Tanzprinz und so viel Geld besitzt wie der reiche Ezechiel (Volker Gütermann). Tatsächlich gehen beide Wünsche in Erfüllung, doch als Ezechiel kein Geld mehr hat, ist Peter ebenfalls wieder mittellos. Verzweifelt lässt er sich doch auf einen Pakt mit dem Holländer ein, doch der vermeintliche Reichtum, den er Peter versprochen hat, hat seinen Preis. Nicht seine Seele, aber sein Herz möchte er dafür haben. Dieses pulsiert rot, als es der Holländer aus der Brust raubt.
Von nun an hat Peter einen Stein anstelle seines Herzens. Er wird reicher und reicher und heiratet Lisbeth, doch sie muss schnell feststellen, dass Peter nicht mehr der „alte“ ist. Nur das Glasmännchen kann die beiden noch retten.
Wieder einmal ist es Streul und Steuerwald gelungen, mit einer Inszenierung die kleinen, aber auch die großen Zuschauer zu fesseln. Rauschender, minutenlanger Beifall am Ende der Uraufführung gibt den beiden Recht, belohnt aber auch die Darsteller für ihre tollen Leistungen.
Dass das Stück ausgerechnet in Worms Premiere feierte, ist kein Zufall: „Die Endprobenbedingungen, die wir hier vorgefunden haben, hätten wir in Mannheim nicht gehabt“, erklärt Streul und lobt vor allem die gute Zusammenarbeit mit der Kultur- und Veranstaltungs GmbH. Nach der Uraufführung in Worms wird die Musik-Bühne mit dem Stück etwa 100 Mal im deutschsprachigen Raum gastieren.
Dienstag, 31. Mai 2011
Presse "Rumpelstilzchen" Kinderoper von Stefan Wasser
Rumpelstilzchen reimt nicht mehr
01.06.2011 - BAD KREUZNACH
Von Marieke Jörg
OPER Röka-Schüler inszenieren gemeinsam mit Berufsmusikern modernes Musik-Märchen
Eine Aufführung, so aufwändig, dass die eigenen Räumlichkeiten nicht genug Platz boten und das Gymnasium am Römerkastell (Röka) auf die Aula des Lina-Hilger-Gymnasiums ausweichen musste. Doch selbst dort reichten die Plätze ob des großen Andrangs nicht aus, und manch einer musste auf Ersatzstühle ausweichen.
Doch für solch kleine Unannehmlichkeiten wurden die Besucher mehr als entlohnt, denn das, was das Opernprojekt des Röka gemeinsam mit der Kurpfalzphilharmonie Heidelberg, der Sopranistin Gunda Baumgärtner und dem Bassbariton Thomas Herberich auf und vor der Bühne inszenierte, darf ohne Zweifel in der Kategorie „große Oper“ verbucht werden.
Zweieinhalb Stunden reine Aufführungszeit, drei Akte, fünf Bilder, zwei Pausen, und das an zwei aufeinander folgenden Tagen - das sind die harten Fakten, welche aber in keinster Weise die tatsächliche Größe der Aufführung von „Rumpelstilzchen“ unter Leitung von Stefan Wasser zu beschreiben vermögen. Denn sowohl die musikalische Untermalung durch das Philharmonieorchester als auch die Sangeskunst der beiden Solisten und die schauspielerische Leistung der Schüler bereiteten dem Publikum mehr als einmal eine Gänsehaut.
Besonders die Rollen des Rumpelstilzchens (Kevin Fischer), der Müllerstochter (Helke Heinemeyer und Vanessa Schumann) und des habgierigen Königs (Cigdem Diken) begeisterten das Publikum. Das Rumpelstilzchen entledigte sich in der Version von Stefan Wasser zudem der traditionellen Reime und präsentierte sich in einer modernen und provokanten Mischung aus Deutsch und Englisch.
Schülerin Jessica Kuhn verknüpfte zwischen den Szenen als Erzählerin die Handlungsstränge miteinander und kommentierte das Geschehen. Gemeinsam mit den Intermezzi des Orchesters schuf sie so einen rundum passenden Rahmen für die Schauspieler und die beiden Opernsänger, welche mit ihrer atemberaubenden Stimmgewalt buchstäblich den Saal zum Beben brachten.
Der glanzvollen Aufführung zugrunde lagen lange Wochen der Vorbereitung und der ehrgeizige Wunsch, dass „Kinder und Erwachsene, Laien und Profis, gemeinsam ein umfangreiches Musikstück erarbeiten“, so Hermann Bläsius, Schulleiter des Röka.
Die Zusammenarbeit darf in diesem Fall als voller Erfolg gewertet werden, denn die Darbietung stand in Virtuosität und Pracht einer Inszenierung auf den großen Bühnen in nichts nach. Sowohl die Proben als auch die Vorstellung selbst dürften für alle Beteiligten eine inspirierende Erfahrung gewesen sein. Stefan Wasser selbst erfüllte sich mit dieser Inszenierung einen lang gehegten Wunsch. Das Publikum zeigte sich ebenfalls in höchstem Maße begeistert und belohnte die Darsteller und Musiker mit frenetischem Applaus.
Mittwoch, 18. Mai 2011
Presse Chor-Orchester-Konzert Burgkirche Bad Dürkheim am 15.05.2011
Nichts geht über das Original
Chor-Orchesterkonzert mit „alter und neuer Barockmusik” in der Burgkirche
Von Roland Happersberger
Bad Dürkheim. Durchaus zufrieden konnte der Zuhörer mit dem Chor-Orchester-Konzert der Bad Dürkheimer Kirchenmusik unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Jürgen E. Müller zum Sonntag „Jubilate” in der Dürkheimer Burgkirche sein. Barockes stand im Mittelpunkt, ansprechend realisiert vom Bad Dürkheimer Kantatenorchester, der Kleinen Cantorey und einer Schar kompetenter Vokal- und Instrumentalsolisten.
Sehr eigenartig der Beginn. Das lag nicht an der Ausführung, sondern am Werk, einem „Concerto grosso für Streicher” des Briten Karl Jenkins. Das Concerto grosso ist eine typische Gattung des Barocks, Jenkins hingegen erblickte im Jahr 1944 das Licht der Welt und ist in Jazz, Pop, Sinfonik und geistlicher Chormusik ebenso zu Hause wie in der Fabrikation von Reklamemusik. Das „Palladio” benannte Concerto grosso sei eine Stilkopie, belehrte das Programm. Sollte da einer fröhlich im Stil des 18. Jahrhunderts komponieren wollen?
Nicht ganz. Das Werk wirkte wie ein Concerto grosso, dem das Concertino abhanden gekommen ist, also die Solisten, die die melodischen Akzente setzen. Immerdar wurden die selben kurzatmigen Motive ostinat wiederholt und bestenfalls leicht variiert, so als sei die Melodiestimme verlorengegangen. Die Art dieser Motive erklärte das Phänomen einigermaßen: So ähnlich wird „Minimal Music” gemacht, aber Jenkins' - übrigens tadellos gespielte - drei Sätze waren nicht immer, aber über weite Strecken schlicht ziemlich langweilig. Sie öffneten aber die Aufmerksamkeit dafür, wie große Anteile der nachfolgenden Werke auf ähnlich zubereitetem Begleitstimmen-Fundament fußten - wobei in ihnen allerdings auch sonst genug passiert.
„Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen”. So beginnt der Eingangschor der Bach-Kantate BWV 12 zum Sonntag Jubilate, deren Thema die Verwandlung dieser Zustände, die von Gottes Hilfe erhoffte Wende zum Guten ist. Die Kantate wurde vorzüglich musiziert, klar aufgebaut, durchsichtig, angemessen und schön. Die Kleine Cantorey bewies Transparenz und Strahlkraft, die drei Solisten - Thomas Nauwartat, eleganter Altus, Andreas Seibert, bestens disponierter Tenor, und Thomas Herberich, ruhig-klarer Bass - gaben Arien und Duetten Ernsthaftigkeit und Ruhe, die Instrumentalbegleitung war ohne Tadel. Wunderschön, mild fließend, zur meditativen Versenkung einladend.
Dann Bachs 3. Brandenburgischen Konzert in G-Dur, das den Musikern einiges an solistischer Standfestigkeit abverlangte. Drei Geigen, drei Bratschen, drei Celli, dazu der Generalbass führen die lebhaften Ecksätze aus, den langsamen Mittelsatz hat Bach nicht notiert, an seine Stelle tritt eine improvisierte „Cadenza”, die Thomas Göttelmann gekonnt am Cembalo ausführte. Das Spiel der Streicher hatte Schwung und Zusammenhang, wobei besonders der erste Geiger, Nils Hilbert, durch entschieden und sicher gestaltendes Spiel für sich einnahm.
Das vielleicht schönste Erlebnis des Konzert war aber Johann Pachelbels Kantate „Jauchzet dem Herren, alle Welt”, in der Machart einfacher als die Bachkantate, aber dadurch oft überraschend. Sie begann, nach kurzer Sonata, mit einem prachtvollen, strahlkräftig vorgetragenen Eingangs- chor, strahlend-frisch danach die Tenor-Arie mit feiner Generalbassbegleitung und Ritornellen, in denen Flöte und Oboe wunderbar musizierten. Ein Höhepunkt: der von einem Solo des Chor-Alts eingeleitete Choral „Nun danket alle Gott”, ein kunstvolles polyphones Gebilde, das die Cantorey durchscheinend und freudesprühend vergegenwärtigte, geradezu jugendlich frisch. Dann ein Duett von Altus und Sopran (Iris Wagner), ungemein vergnügt, harmonisch, klangvoll und fein vorgetragen, dass es eine Freude war, eine knappe, ebenfalls vorzüglich gesungene Bassarie, schließlich eine etwas ausführlichere Arie, in die sich Sopran und Tenor teilten, dann die abermals strahlende Schlussfuge.
Das alles war auch musikalisch so reich erfunden, so knapp und im Grunde einfach verarbeitet, dass das Musizieren merklich Spaß machte. Und so war auch der Schlussbeifall verdientermaßen herzlich und ausgiebig, die Schlussdoxologie der Pachelbelkantate wurde als Zugabe gerne wiederholt.
Dienstag, 26. April 2011
Presse Homilius Landau Stiftskirche Karfreitag 2011
Blick auf die Passion
Gottfried August Homilius' Passionsoratorium „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld” mit Landauer Kantorei und das Südpfälzische Kammerorchester unter Stefan Viegelahn in der Stiftskirche.
Es hat etwas Gegensätzliches, Widersprüchliches an sich, am Tag nach Ostern über den Karfreitag nachzusinnen, wenn bereits das freudevolle Halleluja um den Sieg über den Tod erklungen ist, nun aber in der Betrachtung des Geschehens auf Golgatha der schwere Klang tiefer Trauer und wehmütiger Klage nochmals nachhallt, die es begleitet haben.
Karfreitag, kirchenmusikalisch gefeiert, ist meist ohne Bach nicht denkbar. Diesmal aber haben die Landauer Kantorei und das Südpfälzische Kammerorchester das kompositorische Schaffen eines anderen in den Mittelpunkt gerückt und Gottfried August Homilius ins Blickfeld gehoben, von dem es heißt, dass er zu Lebzeiten und noch Jahrzehnte danach weit berühmter gewesen sei als sein Lehrer Johann Sebastian Bach. Wieder zahlte sich in Verständnis erweckender Weise die schätzenswerte Gewohnheit der Stiftskantorei aus, mit dem im Programm enthaltenen Geleittext Gertie Pohlit zu Wort kommen zu lassen, die in kluger Hinführung Leben und Werk von Homilius erschloss. Mancher wird zuvor bei der Erwähnung des Namens mit den Achseln gezuckt haben; nun wusste man aber, dass man einem Komponisten begegnen würde, der bei seinen Zeitgenossen hohes Ansehen genoss und sich durch reiches Schaffen auszeichnete.
Aufgeführt haben Kantorei und Kammerorchester mit „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld” ein Passionsoratorium, das sich von Bachs oratorischen Passionsvertonungen deutlich unterschiedet. Hier richtet ein nachbetrachtender Außenstehender den Blick auf die Vorgänge, ein Pfarrer mit Namen Ernst August Buschmann, der wohl häufiger für Homilius gearbeitet hat. Ihm stand er gleichsam als Berichterstatter zur Seite. Die Schilderung des Geschehens in Rezitativen und Arien wird mit weitgehend bekannten Chorälen verbunden. Diese geben dem Hörer als gedankliche Brückenpfeiler das Geleit durch die textliche und kompositorische Schöpfung.
Kantorei und Kammerorchester unter der Leitung von Stifts- und Bezirkskantor Stefan Viegelahn haben die Komposition in hoher harmonischer Übereinstimmung mit den Solisten Katharine Hannah Weber, Sopran, Judith Ritter, Alt, Steffen Barkawitz, Tenor und Thomas Herberich, Bass, wiedergegeben: bewährte und verlässliche Interpreten kirchenmusikalischer Literatur. Der ansehnliche Besuch bestätigte erneut die weitreichende Resonanz der Konzerte in der Stiftskirche. Auch Kirchenpräsident Christian Schad gehörte zu den Gästen des Konzerts.
In tadelsfreier vokaler und instrumentaler Artikulation war es ein akustisches Erlebnis, eine weitere Perle in der Kette der Darbietungen, die für die vorbildliche Pflege der Kirchenmusik an der Stiftskirche sprechen. Anders als mit reichem, überzeugendem Beifall nach der Totenglocke am Ende konnte diese Leistung nicht gewürdigt werden. (hd)
Dienstag, 18. Januar 2011
Pressestimme zum Weihnachtsoratorium in Frankenthal am 15.01.11
..Bleibt noch die Stimme mit der größten Ausstrahlung. Der routinierte Bassist Thomas Herberich demonstrierte alle Tugenden, die ein Sänger haben sollte: völlige Ausgeglichenheit, Ausdrucksstärke, weiches Timbre, das auch kraftvoll auftrumpfen kann, saubere Artikulation bis in die höchsten Lagen. Sein Rollen-Verständnis war beispielhaft...
Dienstag, 30. November 2010
„Tag des Zorns“ ein wilder Sturm Verdi Requiem in Worms
„Tag des Zorns“ ein wilder Sturm
16.11.2010 - WORMS Von Gunter Weigand KONZERT Bachchor, Alzeyer Kantorei und Heidelberger Kantatenorchester mit Verdis „Requiem“ in Dreifaltigkeitskirche
Ein Konzertereignis solcher Größe gibt es in Worms nicht alle Tage: Der Wormser Bachchor und die Alzeyer Kantorei begeisterten mit einer packenden Aufführung von Giuseppe Verdis Messa da Requiem für Solistenquartett, Chor und Orchester unter der Leitung von Kantorin Ellen Drolshagen.Man kann sich kaum vorstellen, wie viele Stunden ihrer Freizeit die Sänger in den letzten Monaten geopfert haben müssen, um für diesen Tag so gut gerüstet zu sein. Während Ellen Drolshagen das monumentale Werk mit den Wormsern einstudiert hatte, zeichnete ihr Kollege Hartmut Müller für die Vorbereitung in Alzey verantwortlich. Besonders nachhaltigen Eindruck hinterließ das massive „Dies irae“, das wie ein Leitmotiv noch mehrmals im Verlauf des Requiems wiederkehren sollte. Der Chor verkündete stimmgewaltig den „Heiligen Zorn“, während das Heidelberger Kantatenorchester in wildem Sturm die absteigenden Figuren spielten. Das Schlagwerk agierte so heftig, dass man sich den Tag des Jüngsten Gerichts lebhaft vorstellen konnte.Die Solistenpartien waren vorzüglich besetzt, allen voran Xavier Morano als Tenor. Das lyrische „Ingemisco“ erklang in seiner Interpretation in strahlender Schönheit und hätte in einer Oper ebenfalls eine gute Figur gemacht. Auch Uta Grunewald (Mezzosopran) konnte mit ihrem zarten, aber durchsetzungsfähigen Timbre restlos überzeugen. Sie harmonierte gut mit der Sopranistin Jacqueline Treichler, was sich in einem berückend schönen „Recordare“ niederschlug.
Thomas Herberich brachte seinen Bass gut zur Entfaltung, zeigte beim bedrohlichen „Confutatis“ die dunkleren Aspekte seiner fassettenreichen Stimme, während er an anderer Stelle auch mit sanft gesungenen Partien gefiel.
Es war schon eine beeindruckende Leistung, wie Ellen Drolshagen diesen massigen Klangkörper über fast neunzig Minuten im Griff hatte und nach ihrem Willen bewegte. Das Orchester schlug nicht über die Stränge, war im Gesamtklang zu Chor und Solisten gut positioniert. Die Celli leisteten sich im „Offertorio“ bei ihrer deutlich hervortretenden Figur einige intonatorische Patzer, machten dies jedoch durch ausdrucksvolles Spiel wieder wett. In „Libera me“ gelang den Musikern der vielleicht schönste Moment des ganzen Requiems. Jaqueline Treichler glänzte hier mit einem großartigen Solo, das nur vom Chor begleitet wurde. Bevor es dann aufs Ende zuging, drehte auch das Orchester nochmals auf, um dann leise auszuklingen. Der Chor hauchte noch zweimal „Libera me“, dann war das Requiem beendet. Minutenlang prasselte der Beifall auf alle Beteiligten ein, die zu Recht auf diese Aufführung stolz sein konnten. Nicht nur die individuellen Leistungen waren gut, sondern auch das Zusammenwirken der einzelnen Gruppen.
Dienstag, 9. November 2010
Tod und sanfte Töne des Lichts
Tod und sanfte Töne des Lichts
09.11.2010 - ALZEYVon Jürgen Gündner
KONZERT Kantorei und Bachchor führen mit Orchester Verdis Requiem auf / Große Stimmen der Solisten
Ein musikalisches Großereignis konnten die zahlreichen Zuhörer in der voll besetzten Nikolaikirche am Sonntagabend erleben: Giuseppe Verdis monumentales Requiem für Solistenquartett, Chor und großes Orchester erklang unter der Leitung von Kantor Hartmut Müller.
Fast ein Jahr lang probten die Sänger der Alzeyer Kantorei und des Bachchors Worms, um nun dieses gewaltige Werk aufführen zu können. Hartmut Müller hatte dabei die Einstudierung in Alzey übernommen, Ellen Drolshagen machte die Sänger in Worms mit dem schwierigen Opus vertraut. Als Solisten konnte man namhafte, auch international bekannte Sänger gewinnen - mit dem Heidelberger Kantatenorchester fand man ein professionelles Orchester.
Verdis „Messa da requiem“ stellt vielleicht den Höhepunkt der romantischen Kirchenmusik dar. Jedenfalls drückt es die tiefsten Abgründe, den Tod und die Furcht des Menschen vor den Schrecknissen eines „Jüngsten Gerichts“ in eindringlicher Weise aus, ebenso aber auch die sanften Töne des Lichts, der Hoffnung.
Von den vielen ergreifenden Stellen können nur einige herausgehoben werden: Überwältigend das „Dies irae“, bei dem der stimmstarke Chor und der volle Orchesterklang wirklich die Furcht vor dem Zorn Gottes heraufbeschworen, die Streichinstrumente dabei mit Genauigkeit die halsbrecherischen Figuren meisterten. Oder - neben dem herrlichen „Sanctus“ - das „Libera me“, bei dem die Chorsänger nochmals ihr ganzes Können zeigen konnten: absolute Tonsicherheit, Homogenität in den einzelnen Stimmen, Klangfülle, Genauigkeit in den Absprachen und nicht zuletzt auch Ausdauer, die das über einstündige Werk unbedingt erfordert.
Im „Offertorio“ und in den einzelnen Teilen des „Dies irae“ konnten die großen Stimmen der Solisten erstrahlen: Jaqueline Treichler als wunderbar lyrisch geführter Sopran etwa, der sich allerdings auch zu dramatischer Höhe aufschwingen konnte. Uta Grunewald mit einem sehr musikalisch angelegten Mezzosopran. Xavier Moreno als klangschöner, strahlender, aber auch facettenreicher Tenor und Thomas Herberich als ausdrucksstarker Bass, welcher sich besonders in den tiefen Lagen in seiner ganzen Fülle entfalten konnte.
Insgesamt war es eine Aufführung, die einen großen Eindruck hinterließ. Die langwierige Arbeit mit dem Chor hatte sich gelohnt: Alles war sehr genau, aber auch mit der nötigen Intensität gesungen, die Solisten konnten sich auf dieser Basis wunderbar entfalten; das Orchester spielte wie aus einem Guss. Eine Gesamtleistung, die nicht zuletzt auch dem Dirigat Hartmut Müllers zu verdanken ist und mit „Standing ovations“ bedacht wurde.
Donnerstag, 30. September 2010
Pressestimme zur Schöpfung in Münchberg
Die Frankenpost schreibt:
....Ihr zur Seite steht der Mannheimer Bass Thomas Herberich, der seine umfangreiche Partie mit Souveränität und klarer, auch in der Baritonlage unangestrengter Stimme meistert.......
Presse zur Schöpfung in Münchberg am 24.09.10
Mittwoch, 15. September 2010
Pressestimme Theodorakis Canto General 16.7.10 Klosterruine Frauenalb
Ein Lied von der Erde
Musik von Theodorakis in der Klosterruine Frauenalb
Den Literaturnobelpreis erhielt er 1971 „für eine Poesie, die mit der Wirkung einer Naturkraft Schicksal und Träume eines Kontinents lebendig macht“ – Neftali Ricardo Reyes Basoalto. Zeitlebens war der chilenische Dichter, den man viel eher unter seinem Pseudonym als Pablo Neruda kennt, ein Kämpfer gegen den Faschismus, in Spanien, in Griechenland, in seiner Heimat – von den Machthabern verfolgt und verfemt, vom Volk verehrt und geliebt. Die ganze Kraft eines ruhelosen Lebens floss in seinen monumentalen Gedichtzyklus „Canto General“, der 15 000 Verse vereint, in denen der Dichter Wesen und Geschichte des amerikanischen Kontinents von der Vorzeit bis zur Gegenwart deutet. Und als der große griechische Komponist Mikis Theodorakis, seiner Biografie und seinen Ideen nach ein Bruder Nerudas, Anfang der 1970er Jahre Teile dieses Versepos vertonte, hatte er ebenso ein Lebensthema gefunden, das in harmonisch schlichter und rhythmisch akzentuierter Tonsprache den Gedanken Nerudas Klang in Form eines Oratoriums verleiht. Ein besonderes Erlebnis war es nun, dieses Oratorium an einem Hochsommerabend in den Mauern der Klosterruine Frauenalb zu vernehmen, gesungen und gespielt vom Universitätschor („KIT Konzertchor“) und einem Instrumentalensemble der Hochschule und der Universität Karlsruhe unter der so temperamentvollen wie genauen Leitung von Nikolaus Indlekofer. Als Solisten waren Viviane de Farias (Alt) und Thomas Herberich (Bariton) gewonnen, hervorragende Stimmen, die den Gesangslinien des Oratoriums vielfältigen Ausdruck verliehen und die man am liebsten ohne Mikrofon und Lautsprecher gehört hätte. Die Musiker feierten ein berauschendes Fest der Worte und der Musik, eine kongeniale Verbindung, die einmal idyllisch verhalten, dann jubelnd und mit kraftvollen Rhythmen die Schönheit Lateinamerikas, die ironisch, ja zynisch das Leid dieses Erdteils und die beschwörend seine unsterbliche Hoffnung und seinen Kampf beschreibt und die die Zuhörer in den geborstenen Klostermauern begeisterte. Das Finale des Oratoriums vereint alle Stimmen zu einem großen Gesang, zu einer Beschwörung der Freiheit, die in jeder Zeile des „Canto General“ anklingt: „Sie können alle Blumen abschneiden, aber nie werden sie den Frühling beherrschen“. Claus-Dieter Hanauer
Dienstag, 20. Oktober 2009
Pressekritik "Schöne Müllerin" Speyer 17.10.09
Der Schwärmer als gereifter Mann
Bass-Bariton Thomas Herberich und Pianist Kai Adomeit gestalten Schuberts Zyklus „Die schöne Müllerin" im Speyerer Ratssaal
von rainer köhl
Franz Schuberts Zyklus „Die schöne Müllerin" stand am Samstag auf dem Programm der „Speyerer Liedertage" im Historischen Ratssaal. Bass-Bariton Thomas Herberich ließ dabei eine große Stimme hören, mit großer Klavierkunst begleitete Kai Adomeit.
Der Müllergeselle, der „Die schöne Müllerin" besingt, ist ein Leidensbruder des Wandergesellen aus der „Winterreise": nicht so hoffnungslos, nicht so pessimistisch, aber ähnlich fatal verstrickt in Liebesleid, in ein Wechselbad der Gefühle, das zwischen Hoffen und Resignation pendelt. Von den wahren Gefühlen der schönen Müllerstochter ist hier nicht viel zu erfahren. Vielmehr projiziert der singende Müllergeselle seine Wunschvorstellungen, Hoffnungen und Träume sowie Enttäuschungen in Dialoge mit der Natur.
Diese Stimmungsschwankungen nivellierte Thomas Herberich weitgehend, um dem Zyklus seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Der Bass-Bariton, der zunächst Kirchenmusik am Bischöflichen Institut in Speyer studierte, bevor er sein Gesangsstudium aufnahm, hat sich auf der Opernbühne und vor allem im Oratorienfach Verdienste erworben. Auch bei seinem Schubert-Gesang ließ er eine prachtvolle Stimme hören - von sonorer Kraft erfüllt im Forte, kultiviert, warm und balsamisch strömend im Pianogesang.
Dabei gelangen dem Sänger die idyllischen Momente besonders überzeugend: Ganz zärtlich gestaltete er die lieblichen Augenblicke, baute bisweilen eine intime Stimmung auf. Und doch war Herberich nicht so recht der verliebte Müllersbursch", der sich in Träumen verliert, als vielmehr ein gereifter Mann, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht. Einer, der weiß, was er will. Einer, der in sich ruht und keine Zweifel daran hat, ob die schöne Müllerstochter ihn liebt.
Ohne Zweifel tut sie das in seinen Augen. Und so ist auch kein Platz für Verzweiflung in seiner Seele. Herberich sang den Müllersburschen abgeklärt, mit sich und der Welt im Reinen, dabei immer mit einer väterlichen Attitüde, wo jugendliches Schwärmen und Bangen angebracht wäre. Wie zornerfüllt er den Jäger anging, der bei der Mühle vorbeizuschauen wagt, dort wo das „zärtliche Rehlein" wohnt, das hatte dramatische Intensität. Mit dynamisch forttreibenden Liedern neben Innehalten brachte der Bassist große Spannung in diesen Zyklus. Mit großer Nachdenklichkeit erfüllte der Sänger die gedankentiefen Lieder wie „Die liebe Farbe", ließ die Stimme dabei weit ausströmen in den leisen Registern und ließ das Abgeklärte der beiden Schlusslieder himmlische Dimensionen gewinnen.
Kai Adomeit entlockte dem Flügel überaus reiche Nuancen an klangsublimer Beseeltheit und Expression. Die lieblichsten Naturstimmungen beschwor der Pianist mit Klang und gestalterischem Ausdruck. So brachte Adomeit die Seelenbefindlichkeiten dieses Zyklus in seinem Part, zwischen Verzweiflung, Leid, trügerischem Glück und Todessehnsüchten, zu schönster Eindringlichkeit.
Montag, 14. September 2009
Thomas Herberich als Elias
PFORZHEIM. Aufruhr der Massen, Not des Volkes, Verzweiflung über das eigene Leben und Wirken, um dem zu begegnen muss man nicht die Zeitung aufschlagen. Dies findet sich auch schon in Mendelssohns Oratorium „Elias“, das von Jugendkantorei und Motettenchor Pforzheim, dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim unter der Leitung von Kord Michaelis in der evangelischen Stadtkirche darstellungsmächtig in Szene gesetzt wurde.
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Dramatisches Potenzial
Frühzeitig scheint Mendelssohn erkannt zu haben, welch dramatisches Potenzial der biblische Stoff enthält, geeignet unterschiedlichste Spannungsmomente und reiche Gefühlsfacetten in einem gemeinsamen Handlungsstrang von großer Ereignisdichte zu vereinen. Bereits als 25-jähriger, zehn Jahre vor der Vollendung des Werkes, begeisterte sich Mendelssohn für die Geschichte des Elias.
Das jedoch erst nach einigen Geburtswehen zustande gekommene Libretto passte er schließlich seinen Bedürfnissen an. Dabei verband er die Szenen musikalisch ohne Unterbrechungen so, dass sie das Bild eines vorwärtsdrängenden Geschehens ergeben. Der zumeist das Volk darstellende Chor und die Solisten lösen sich dermaßen nahtlos ab, Handlung, Kommentare und Gebet sind in so dichter Folge miteinander verschränkt, dass eine ungeheure Dynamik entsteht, die den Hörer mitreißt. Besonders wenn die ausgefeilte Dramaturgie des Werkes derart plastisch umgesetzt wird, wie es unter Leitung von Kord Michaelis geschah. Er führte Chor und Orchester zu wohl abgestuft in den Gesamtzusammenhang eingebettete Klangentwicklungen. Mit sachlichem Dirigierstil vermied er dabei sorgfältig ein ständiges Überzeichnen der zahlreichen sich anbietenden Höhepunkte. Der große Klangapparat blieb dadurch stets steigerbar und gestaltungsfähig. Thomas Herberich als Elias lotete in vielgestaltiger Weise die Facetten der Person aus. Sein Elias war zornig bis nahe dem Bersten der Stimme, höhnisch sarkastisch gegenüber den Anhängern Balls, dann wieder plötzlich verwandelt in einen eindringlichen Betenden voll sanftmütiger Ehrfurcht. Seine stimmliche Ausdrucksmacht bewegte sich in der Spanne von volltönendem, die Würde eines Propheten versinnbildlichenden Bass bis hin zur zurückgenommenen Sphäre der Resignation.
Ausdrucksstarke Solisten
Die Altistin Nina Amon entfaltete besonders in den ruhigen Arien ausdruckstarke und klangvolle weite Bögen. Betörenden Stimmklang bot Alexander Pfitzenmeier, wahrhaft Engelgleich mit leuchtender Timbre, dabei präzise und agil. Die Sopranistin Kirsten Drope überstrahlte mit sinnlich glühendem Schmelz das Ensemble. Ausgezeichnet in hochdramatischen Hilferufen ebenso wie in stärker in sich ruhenden Arien, sang sie mit vollendet rundem Ton, gestochen scharfer Präzision, höchst beweglich doch ohne jegliche Unruhe. Neben drei auch solistisch hervortretenden Chormitgliedern bot der junge Thomas Dombrowski eine besondere Hörfreude als Sänger der Knabenpartie mit glasklar blitzenden Hochtönen. Mehr als einmal konnte man in dieser Aufführung eine Gänsehaut bekommen.Ruth Wolfstieg
Mittwoch, 22. April 2009
Presse Matthäuspassion in Bruchsal 2004
Bruchsaler Rundschau Nr. 63 vom Dienstag, 16. März 2004 - Seite 14
Im Dienst der Glaubensverkündigung
Glanzvolle Aufführung von Bachs "Matthäus-Passion" in der Bruchsaler Paulskirche
Sieger bleiben nicht die heuchlerischen Hohenpriester, Schriftgelehrten, Pharisäer und anderen "Kreuziger", die Passion Jesu findet ihr Ende nicht in der Grabesruhe, sondern kulminiert in der glorreichen Auferstehung am dritten Tag mit dem Vermächtnis an uns, dass Jesus Christus aus Liebe zu uns Menschen und insbesondere für die Sünder und deren Erlösung gestorben ist. Wenn auch die Matthäuspassion aus der genialen Feder des fünften Evangelisten alias Johann Sebastian Bach mit der Grabesruhe Jesu endigt, konnte ein kontemplatives Zelebrieren dieses "opus summum", dieses "höchsten Werkes" in der Bruchsaler Pauluskirche den Durchblick fürs "Ganze" öffnen. Gott sei Dank gibt es noch geistliche Konzerte, die nicht nur dem musikalischen Selbstzweck eines möglichst hohen künstlerischen Niveaus dienen, sondern sich in den Dienst der Glaubensverkündigung stellen.
Mit Bezirkskantor Leo Langer stand der Bruchsaler Aufführung ein Kirchenmusiker vor, der den Verkündigungsauftrag ernst nahm. Es ist die nicht handhabbare emotionale Dimension, welche die riesige Schar an Mitwirkenden verinnerlicht hatte und an das Publikum im vollbesetzten Gotteshaus versprühte. Fesselnd wären alleine schon die Äußerlichkeiten bei diesem Passionskonzert gewesen. Die katholischen Kantoreien Bruchsal und Eberbach bildeten den geforderten Doppelchor, der Jugendchor San Taddeo Neureut übernahm die sopranistischen Ripienostimmen. In historischer Disposition hatte das üppig besetzte Barockorchester "l'arpa festante" aus München Platz genommen. Fünf exzellente Solisten komplettieren das Ensemble, welches nahezu vier Stunden gefordert ist.
Unermesslich sind Vorbereitungszeit und Aufwand, der sich mehr als gelohnt hat. Die beiden Chöre ergänzten sich vortrefflich, gestalteten die Choräle in verständlicher Diktion und inhaltslogischer Dynamik und Agogik. Langer formte die bisweilen vornehm-lyrische Eberbacher und die gleichermaßen strahlendüberzeugende Bruchsaler Kantorei zu einer homogenen Einheit. Dem Tenor Jürgen Ochs schien die Rolle des Evangelisten in seiner deutlichen Artikulation und überzeugenden Rezitationstechnik wie auf den Leib geschneidert zu sein. Die demutsvolle tiefe "vox christi" hätte mit Thomas Herberich, dessen wohltuende, gleichsam sedative Sonorität und sympathische Expressivität besonders gefielen, kaum idealer besetzt werden können. Hubert Wild gestaltete die Partien der übrigen männlichen Soliloquenten und die Bassarien mit Pathos und emphatischem Ausdruck. Sabine Götz (Sopran) und Susan Marquardt (Alt) erwiesen sich als Spezialistinnen hinsichtlich einer sängerischen barocken Aufführungspraxis. Ihre schlanke Tongebung erlaubt viele Feinheiten im Bereich der musikalischen Rhetorik und Poetik.
Aus ebensolchen instrumentalen Experten setzt sich das renommierte Barockorchester "l'arpa festante" zusammen, welches auf historischen Instrumenten einwandfrei und professionell agierte. Ein emotionales Eintauchen mancher Instrumentalisten hätte sich nicht nur in einer dynamisch differenzierteren Interpretation niedergeschlagen, sondern einmal mehr eine "Gänsehaut" hervorgerufen. Leo Langer bewies insbesondere bei den Accompagnato-Rezitativen seine dirigentische Meisterschaft. Einige Schweigeminuten am Ende der Passion demonstrierten sodann die Ergriffenheit von Publikum und Mitwirkenden, ehe die ersteren ihren berechtigten Dank und ihre Anerkennung in noch längeren Beifallsstürmen zum Ausdruck brachten.
Markus Zepp
Mittwoch, 1. April 2009
Carl Heinrich Grauns Passionskantate „Der Tod Jesu" in Bad Dürkheim
Eine Entdeckung
Carl Heinrich Grauns Passionskantate „Der Tod Jesu" in Bad Dürkheim
Von Roland Happersberger
Bad Dürkheim. Unbedingt hörenswert war die Aufführung der großen Passionskantate „Der Tod Jesu" von Carl Heinrich Graun durch die Dürkheimer Schlosskirchenkantorei, ein tadelloses Solistenquartett und das Heidelberger Kantatenorchester, nicht zu vergessen Stefan Göttelmann an der Orgel, am Sonntag in der Schlosskirche. Kirchenmusikdirektor Jürgen E. Müller behielt alle Fäden in der Hand und sorgte für eine spannende, wohlklingende und nie langweilige Aufführung - obwohl das Werk immerhin anderthalb Stunden dauert.
In gewisser Weise führt Grauns Oratorium in fast unbekanntes musikalisches Terrain. Der Komponist war Hofmusiker bei Friedrich II., und mit dem Preußenkönig seit Rheinsberger Jugendzeiten verbunden. „Der Tod Jesu" ist 1755 im damaligen Berliner Dom uraufgeführt worden, fünf Jahre nach Bachs Tod, ein Jahr vor Mozarts Geburt, und während der Stil der Choräle und einiger in altmeisterlich polyphonem Stil komponierter Chorsätze sich nicht weit von Bach entfernt hat, atmen die Sologesänge einen ganz anderen Geist, der dem heutigen Musikfreund am ehesten in den frühen italienischen Mozartopern begegnet sein mag. Das kommt nicht von ungefähr: Graun war den neuesten italienischen Operntendenzen verpflichtet. Hier obwalten heitere Melodieseligkeit und eine gewisse freilich zur konventionellen Gleichartigkeit tendierende Gefühligkeit, die auch vom Libretto vorgegeben ist.
Seine Reime, freie, mit Betrachtungen angereicherte Nacherzählungen der biblischen Passionsberichte, stammen von Carl Wilhelm Ramler, einem Literaturpapst jener Übergangsepoche, und neben einer ziemlich indezenten Gefühligkeit, mit der sie Jesu Leiden gleichsam auf die Pelle rücken, transportieren sie ein ziemlich kaltes Tugend-Raisonnement und ein ganz eigentümlich verwässertes Gottesbild. Man denkt unmittelbar an Goethes Satire auf die kräftig modernisierende Bibelübersetzung des auch am Dürkheimer Fürstenhof wirkenden dubiosen Theologen Carl Friedrich Bahrdt, in welcher dieser den unvermutet zu Besuch kommenden vier Evangelisten eröffnet, sie müssten erst mal ihre unmodernen Bärte scheren und ihre antiken Mäntel durch moderne Anzüge ersetzten, bevor er mit ihnen in Gesellschaft gehen könne.
Etwas von dem ist auch an diesem Oratorium, das gleichwohl besonders im Epilog einige unbedingte musikalische Kostbarkeiten enthält. Es beginnt schlicht, mit einer einfach und wohlklingend gesetzten Choralstrophe auf die Melodie von „O Haupt voll Blut und Wunden". Der eigentliche Eingangschor ist eine an sich recht konventionell angelegte, allerdings emotional aufgeladene Chorfuge, die Müller im Tempo, wohl wegen dieses Affektgehaltes („Sein Odem ist schwach") recht breit nimmt. Das gibt dem Chor Gelegenheit, die Koloraturen ohne Hast ungemein korrekt und wohlklingend auszuführen, und in der Folge entwickelt sich ein ungemein beeindruckend wogender Chorklang, in dem Männer- und Frauenstimmen einander kontrastreich, stimmlich schön und gut ausbalanciert gegenüberstehen. Auch die Dynamik ist vorzüglich ausbalanciert, ebenso wie das klangliche Verhältnis zum Organisten und zum Orchester, die souverän, klangschön und in hakenloser Kommunikation zusammenwirken - all das Qualitäten, die bis zum Schluss anhalten.
Der Sopranistin Elsbeth Reuter fiel das erste der nun folgenden Rezitativ-Arie-Paare zu, das Rezitativ gestaltete sie ansprechend, aber etwas neutral, während sie in der folgenden, nach diesem Beginn überraschend schwungvoll und strahlend einsetzenden Da-Capo-Arie - mit kontrastreich-düsterem Mittelteil - deren ungemein opernhaften Charakter prachtvoll auskostete. Antonietta Jana, die das zweite derartige Paar sang, schien sich in den Ausdrucksgehalt der Rezitative stärker vertieft zu haben, sie gestaltete wunderbar, brachte in der Arie schöne, schwungvoill tänzelnde Koloraturen. Graun liefert auch hier eine Musik, wie man sie in einem Passionswerk nicht eigentlich vermuten würde.
Noch mehr tat der leider nur an einer Stelle ausgiebiger beschäftigte Tenor Thomas Jakobs, der erst vor einer Woche in Lambrecht in Mendelssohns „Lobgesang" sehr für sich eingenommen hatte: Ungemein agil detailreich gestaltend gab er seiner Partie ungeheure Spannung. Dass dabei gewissermaßen sein Körper mitsang, ist kein Manierismus, sondern Ausdruck dessen, dass die Komposition ungemein beweglich, dass die gegensätzlichsten Affekte ganz dicht beieinander sind und dauernd umschlagen. Seine gleichermaßen schlanke wie kraftvoll geschmeidige Stimme setzte sich mühelos gegen den Orchesterklang durch, er sang das Rezitativ geradezu rasant und wagte dabei stimmlich einiges; dass dabei wenige Details nicht ganz stimmten, tat nichts zu Sache. Und die Arie war einfach mitreißend.
Thomas Herberich, der bewährte profunde Bass, machte das ganz anders. War bei Jakobs alles flirrende Bewegung, stand Herberich fest wie ein Baum, sang sicher, überlegen, kostete die Affekte auf ganz andere Weise aus. Sein Text handelte von Ungewittern, die er machtvoll donnern, und von Sonnenstrahlen, die er prachtvoll glänzen ließ. Stimmgewaltig füllte er das Kirchenschiff, seine so ganz anderen stimmlichen Ausdrucksmittel eben ganz anders, aber ebenso gescheit einsetzend wie sein Vorsänger. Nicht zuletzt von diesen - in den gemeinsamen Sätzen vorzüglich gebändigten - unterschiedlichen Personalstilen der Solisten lebte die Aufführung zu einem Gutteil.
Nach Herberichs Monumentalespressivo nimmt sich die sozusagen ungeheuer objektive, jeden Zeit- und Personalstil ausschließende große Doppelfuge „Christus hat uns ein Vorbild gelassen" geradezu frappierend aus; die Kantorei bringt sie zu zügig vorwärtsdrängender spannungsvoller Strahlkraft. Bleibt, noch einiges Schöne am Ende hervorzuheben, etwa Herberichs geradezu inbrünstig vorgetragenes, auch musikalisch hochinteressantes Accompagnato „Es steigen Seraphim" - auch im Orchester vorzüglich - und der herrliche vorletzte Satz. Allein seinetwegen verdient Grauns Oratorium, nicht vergessen zu werden.
POESCHH
Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Bad Dürkheimer Zeitung
Ausgabe: Nr.76
Datum: Dienstag, den 31. März 2009
Seite: Nr.21
"Deep-Link"-Referenznummer: '4820699'
Präsentiert durch DIE RHEINPFALZ Web:digiPaper
Mittwoch, 4. März 2009
100 Jahre Reger-Orgel in Bad Salzungen: Gefeiert mit einem ebenso außergewöhnlichen wie eindrucksvollen Konzert.
Neben der Ökumenischen Stadtkantorei Bad Salzungen/Dermbach und dem Motettenchor, neben Solisten und dem Mitteldeutschen Kammerorchester verlieh auch das Geburtstagskind höchstselbst mit seinen drei Manualen und 41 Registern dem Festabend besonderen Glanz. Sorgte die ruhige „Prélude“ von Alexandre Guilmant noch für einen gemessenen Auftakt, so präsentierte sich die Salzunger Königin der Instrumente später bei der „Fantasie in C-Moll“ von Adolph Friedrich Hesse herrlich kraftvoll brausend und machtvoll. In energischen Dreiklängen, kunstvoll gespielt von Gewandhausorganist Michael Schönheit, leuchtete das Adagio, fesselte die Zuhörer mit intensivem Ausdruck. In ruhigere Gefilde steuerte das Orgelschiff seine Zuhörer beim anschließenden Andante graciosa, verzauberte mit diesen einfach nur wunderschönen, geheimnisvoll-stumpfen, zurückgenommenen Tonmelodien. Um sich schließlich hypnotisch, weltverschlingend, von überirdischer Größe kündend, im fantastischen Finale Bahn zu brechen.
In sanften Harmonien richtete der Motettenchor, verstärkt von der Stadtkantorei, mit dem „Salvum fac regem“ von Karl Löwe einen musikalischen Dank an Herzog Georg II. Denn es war der Theaterherzog, der der Kirchgemeinde damals die Orgel schenkte.
Eine Vielzahl heute nur noch selten gespielter Kompositionen machte das Festkonzert zu einem besonderen Hörerlebnis. Die alles andere als angestaubten Stücke ließen auch das Jahr 1909, das Leben, Denken und Streben der Menschen damals mit ernsthaftem Charme lebendig werden. Neben urchristlichem Chorgesang beim „Adoramus te“ von Giovanni Pierluigi Sante aus Palestrina, bei dem der Hörer unmittelbar und bewegend an dem Leiden Jesu am Kreuz teilhatte, trugen die Chormitglieder auch eine weihevolle, in hellen Stimmen schwelgende Komposition des Salzunger Kirchenmusikdirektors Bernhard Müller für den damaligen Knabenchor vor. „Vergiss mein nicht, mein allerliebster Gott“, flehte der berührende, klare Sopran Nicole Umbreits, erst allein, dann im Duett mit Tenor Rüdiger Husemeyer und endlich im überströmenden geistlichen A-cappella-Gesang des Chores.
Absolutes Highlight des Geburtstagskonzertes aber waren die Auszüge aus dem Oratorium „Paulus“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. Mit einer lieblichen Arie von Sopranistin Nicole Umbreit begann der „Tod des Stephanus“. Innig spielten dazu die Geigen des Mitteldeutschen Kammerorchesters, das Flötenspiel rührte mit anmutigen Weisen. Doch bald schlug die Stimmung um: Dramatisch hetzten nun die Geigen, aufwühlend alarmierten die Hörner, schlugen die Trommeln im grollenden Takt, wisperte, rief und schrie der wogende, fordernde Chor: „Steinigt ihn!“ Der Aufregung folgte die tiefe Trauer: In wehmütigen Worten ließ Tenor Rüdiger Husemeyer den Tod des Märtyrers Gewissheit werden, klagte der Chor in zu Tränen rührendem Gesang.
Die „Bekehrung des Paulus“ machte sich zunächst mit einer wütenden Bariton-Arie von Thomas Herberich Luft, begleitet von aufreizendem Trompetenklang. Beim ergreifenden „Damaskuserlebnis“, wo Saulus sich zu Paulus wandelt, sang der Chor als Vision Jesus, der den bekehrten Pharisäer auffordert, sich aufzumachen und Licht zu werden. Jubilierend und fanfarengleich hell triumphierte der Chor im Schlussteil, kündete vom Wunder der Bekehrung, wie schon das ganze Konzert über meisterhaft und sicher dirigiert von Kantor Hartmut Meinhardt. Er und alle seine Sänger und Musiker sorgten mit ihrer Wiederholung des Einführungskonzertes für eine wirklich angemessene, unvergessliche Ehrung des gelassen über allen thronenden Geburtstagskindes in der Stadtkirche. an
Freitag, 27. Februar 2009
Reger-Orgel hat Geburtstag
Reger-Orgel hat Geburtstag
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Die Ausführenden sind Nicole Umbreit, Sopran, Rüdiger Husemeyer, Tenor, und Thomas Herberich, Bariton, die Ökumenische Stadtkantorei und der Motettenchor Bad Salzungen/Dermbach, das Mitteldeutsche Kammerorchester und Michael Schönheit, Orgel. Die Gesamtleitung liegt in den Händen von Kantor Hartmut Meinhardt.
Die Orgel wurde von Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen als Dank für die hervorragende Kirchenmusik in Bad Salzungen gestiftet und 1909 als opus 1025 von Orgelbauer Wilhelm Sauer (Frankfurt/Oder) nach den Vorstellungen des Meininger Hofkapellmeisters und Komponisten Max Reger sowie des mit ihm befreundeten Leipziger Thomaskantors Karl Straube geschaffen. Es handelt sich hierbei um ein einmaliges und im Originalzustand erhaltenes Werk aus der Zeit der Spätromantik.
Viele Instrumente dieser Periode sind infolge der "kirchenmusikalischen Erneuerungsbewegung" bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein "neo-barockisiert" oder durch andere Instrumente ersetzt worden. Heute weiß man, wie wichtig es ist, solche Instrumente zu erhalten, die ein charakteristisches Zeugnis von der Klangwelt einer musikgeschichtlichen Epoche ablegen.
Ein Teil der Orgel, nämlich das erste Manual und Pedal, wurde im alten Orgelgehäuse von 1790 untergebracht. Für das II. und III. Manual errichtete man zu beiden Seiten Extragehäuse. So wurde Platz für insgesamt 41 Register geschaffen.
Großes Interesse in der Musikwelt
Max Reger reiste 1912 von Meiningen nach Bad Salzungen, um gemeinsam mit seinem Schüler Herrmann Poppen, Orgelrevisor von Baden, das Instrument zu probieren. Nach grundlegenden Reparaturarbeiten durch Orgelbaumeister Christian Scheffler (Frankfurt/Oder) 1993 gewinnt das wertvolle Instrument immer mehr Interesse im In- und Ausland. CD-Einspielungen, Fernsehaufnahmen und Konzerte internationaler Spitzenorganisten belegen die Bedeutung der "Reger-Orgel".
Um die reiche kirchenmusikalische Tradition Bad Salzungens auch weiterhin auf einer tragfähigen materiellen Basis pflegen zu können, ist im November 2007 der "Förderkreis der Ökumenischen Stadtkantorei und der Kirchenmusik in Bad Salzungen" gegründet worden. Dieser knüpft vor allem an die "Tradition Müller" an. Gemeint ist der verdiente Stadtkantor, der den Salzunger Kirchenchor zu einem in ganz Deutschland bewundertem Ensemble entwickelte.
! Sonnabend 28.02.09, 17 Uhr, Stadtkirche in Bad Salzungen