Montag, 10. Februar 2014

Bravo-Rufe von 1100 Besuchern

AUSVERKAUFT Pastoralchor und Kammerphilharmonie führen Puccini zweimal auf
Unter der Leitung von André ... | Foto: Volkmar
Dank des außergewöhnlichen Programms des Braunfelser Pastoralchors Cantate Domino und der Kammerphilharmonie Bad Nauheim erlebten die rund 1100 Besucher zwei ausverkaufte Vorstellungen, die mit ihrer geistlichen Musik die Gäste berührten. Eröffnet wurden die Konzertabende mit dem weltweit beliebten "Halleluja" von Händel.
Fasziniert hörten die Besucher ... | Foto: Volkmar
Zu einem Höhepunkt wurde dann Mozarts populäre Sinfonie, die in der Interpretation der Bad Nauheimer Musiker voll und ganz überzeugte. Der Komponist hatte das Werk 1788 fertiggestellt. Erst später bekam Mozarts vierteilige Komposition den Beinamen "Große g-Moll".
Die auf hohem Niveau agierenden Musiker, die vor allem in den beiden Ecksätzen für scharfe Kontraste sorgten, machten die Darbietungen zum Hörgenuss. Dafür sorgte auch Dirigent André Schmidt, der das Orchester forderte und so alle in der Partitur eingeschlossenen Feinheiten in ein voluminöses Klangbild verwandelte.
Zum Finale erklang Puccinis Erstlingswerk, das der glänzend disponierte Pastoralchor Cantate Domino in den Mittelpunkt seines Konzertes stellte. Instrumental getragen von den Philharmonikern und einem Solistenduo gelang den 95 Sängerinnen und Sängern aus der Region eine ausdrucksstarke Aufführung, die André Schmidt engagiert und souverän leitete.
Im Lebenswerk des großen italienischen Opernkomponisten nimmt die sechsteilige "Messa di Gloria" einen besonderen Platz ein. Nicht nur, weil es sein einziges geistliches Chorwerk ist, auch die Fertigstellung 1878 durch den erst 19-jährigen Komponisten ist eher unge-wöhnlich.
Dabei liegt das Schwergewicht auf den Chören. Ihnen kommt in Puccinis "Messa" die Aufgabe zu, den Gedankeninhalt und die Glaubenstiefe in vierstimmigen Sätzen wiederzugeben. Für einen Laienchor war dies eine höchst anspruchsvolle Herausforderung, die der Pastoralchor auf hohem Niveau meisterte. Neben den präzisen Einsätzen und einer klaren Artikulation glänzten die Sänger mit einer ausgewogenen Ausführung.
Ein großes Lob haben auch die Instrumentalisten verdient. Der Grundstimmung des Abends angepasst, spielten die Sinfoniker mit Engagement und Fingerspitzengefühl. Damit waren sie den Vokalisten eine sichere Stütze. Mit Thomas Jakobs (Tenor) und Thomas Herberich (Bass) standen zwei Künstler zur Verfügung, die über viel technisches Können verfügen und durch ihre individuelle Interpretation das Publikum überzeugten.
Auch Auftakt mit Händel und Mozarts populäre Sinfonie in g-Moll gefallen
Schon das schwungvolle Orchestervorspiel zum "Kyrie" ließ den künftigen Melodiker Puccini erkennen. Im machtvoll ausgestatteten "Gloria" wurden die Opernelemente offenkundig: Den liturgischen Text in lateinischer Sprache hat Puccini bildhaft in Szene gesetzt: So wechselten Frauen- und Männerstimmen begleitet von machtvollen Bläserklängen und Soloeinlagen ab. Ganz auffällig wird dies im vom Solobass angestimmten "Qui Tollis"- Komplex mit den "Miserere"- Rufen des Chores, die an bekannte Elemente von Verdis opernhaftem "Gefangenenchor" erinnerten.
Machtvoll kam auch das "Credo", die Keimzelle des Werkes, mit Chorsätzen und Solopartien daher. Instrumental ausdrucksstark gestaltete die Braunfelser Aufführung zudem die Arien. So erzählt der Tenor zusammen mit dem Chor die "Menschwerdung Gottes" und das bis zur Dramatik gesteigerte "Crucifixus", bei dem das Orchester zum Ende fast schweigt. Nur der Bassist begleitet den Herrn ins Grab.
Dem kurzen "Sanctus" des Chores folgte das solistisch ausgelegte "Benedictus". Und im abschließenden "Agnus Dei" vereinen sich Chor und Solisten zur flehenden Bitte "Herr schenk uns deinen Frieden".
Als der Dirigent nach 90 Minuten den Taktstock sinken ließ, bedankte sich das Publikum stürmisch für ein grandioses Konzert, das mit einer Zugabe endete.

Freitag, 20. Dezember 2013

Besprechung Mendelssohn Paulus Konzert vom 15.12.13 in der Landauer Stiftskirche

Klangfarben von  großer Schönheit
Mendelssohns „Paulus“ in der Stiftskirche in Landau
Es wurde bei der Uraufführungen 1836 und in den folgenden Jahren mit Beifallsstürmen bedacht und seine Berühmtheit erst im 20. Jahrhundert durch die des „Elias“ übertroffen: Mendelssohns Oratorium „Paulus“. Wer am Sonntag der Aufführung  durch die Landauer Kantorei an der Stiftskirche beiwohnte und in die wunderbare Klangfülle der Mendelssohn'schen Tonwelten abtauchen durfte, sah bestätigt, dass dieses Werk zu Unrecht im Schatten des anderen großen Mendelssohn-Oratoriums steht.Auch dieses Konzert, traditionell am dritten Sonntag im Advent gegeben, erwies sich, wie alle Konzerte dieses Chors, als Publikumsmagnet: Die Stiftskirche war bis auf den letzten Platz besetzt und der lange anhaltende Beifall am Ende ließ erkennen, dass der letzte Ton noch viel zu schnell verklungen war.Es erfüllte die Zuhörer mit Freude, der Wiedergabe des „Paulus“ durch die etwa 100 Sängerinnen und Sänger umfassende Landauer Kantorei, komplettiert von einem Solistenquartett und dem Südpfälzischen Kammerorchester, unter der Leitung von Stiftskantor Stefan Viegelahn zu lauschen. Viegelahn setzte auf eine kompakte, in sich geschlossene Darbietung, frei von jeglicher Übertreibung und Überzeichnung, zu der das Geschehen, im ersten Teil die Predigt und die Steinigung des Stephanus, die Bekehrung des Paulus durch die Vision vor Damaskus, im zweiten Teil das Wirken des Apostels und seine Verfolgung, verleiten könnte.
Die Dramatik wurde durch exakt ausbalancierte Dynamik zwischen Chor, Solisten und Orchester, durch prägnant gezeichnete Linien, Präzision bei den Einsätzen und durch wohldurchdachte Agogik sorgfältig aufgebaut, behutsam gesteigert und in lupenreinem Klang und angemessenen Tempi unaufdringlich zu Höhepunkten geführt.
Diese Gediegenheit, ergänzt durch das leidenschaftliche Melos der lyrischen Betrachtungen, gab Viegelahns Interpretation eine Ausdruckskraft, die kaum zu überbieten ist. Kurz gesagt: Die Aufführung war großartig und setzt Maßstäbe!
Die biblische Erzählung ist auf die Solisten, auf Sopran, Alt und Tenor, verteilt. Paulus und zwei falsche Zeugen erscheinen als Bass, Stephanus, Ananias und Barnabas als Tenor. Der Chor hat dramatische und betrachtende Funktion. Die Ouverture, die mit dem Choral „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ beginnt, in eine Fuge mündet und in einer Schlussfanfare endet, entfaltete das Südpfälzische Kammerorchester prachtvoll.
 In dem bewegten Eingangschor „Herr! Du bist Gott, der Himmel und Erde und das Meer gemacht hat“ bestachen von Anfang an die Harmonie und Reinheit, im Schlusschor die Klanggewalt der Fuge „Lobe den Herrn, meine Seele“. Die dramatischen Chorsätze wurden, dem Text nachspürend, gediegen-lebendig dargeboten oder innig-expressiv. Die Choräle mit ihrer zu Herzen gehenden Melodik und ihrer einzigartigen Klanglichkeit waren von fast übersinnlicher Kraft.
Großen Anteil am Erfolg dieser Aufführung hatten auch die Solisten. Cornelia Winter beeindruckte nicht nur mit ihrem klangvollen, brillant leuchtenden Sopran (wenn auch anfangs nicht immer ohne Schärfen bei den Spitzentönen), sondern auch durch ihre sensible Gestaltung. Sandra Stahlhebers warm timbrierter Alt strömte in wunderbarer Fülle dahin. Für einen betörenden Genuss sorgte Andreas Wagner mit seinem makellos geführten, in allen Lagen strahlenden Tenor. Die Kavatine „Sei getreu bis in den Tod“,  eines der schönsten Stücke des Oratoriums, wurde in seiner Wiedergabe zu einem Juwel von unvergleichlichem emotionalen Tiefgang. Klangfarben von  großer Schönheit. Thomas Herberich hauchte mit markantem Bass seinen Protagonisten Leben ein.
Mit dem Chor und den Solisten verband sich das Südpfälzische Kammerorchester in bewundernswerter Harmonie. Es erzeugte Klangfarben von überwältigender Schönheit und machte so manche Arie zum musikalischen Edelstein. (wgm)

Dienstag, 10. September 2013


Premiere am Pult
Kirchenmusik auf dem Dörfel in der Schifferstadter Lutherkirche erstmals mit dem neuen Dirigenten Georg Metz 
Alljährlich Anfang September findet in und um die Schifferstadter Lutherkirche herum das Dörfelfest statt. So auch dieses Jahr. Eingeleitet wurde es mit einem Konzert des Projektchors des Ökumenischen Chores Schifferstadt.
Nachdem der langjährige Leiter des Chors, Klaus Link, im letztjährigen Herbst verstorben war, stand nun erstmals bei einer ”Kirchenmusik auf dem Dörfel” der neue Dirigent Georg Metz am Pult und spielte auch die Orgel. Solisten waren der Bass-Bariton Thomas Herberich und Christian Schmidt an der Fagott.
Begleitet wurde das Konzert von einem kleinen amüsanten Zwischenfall: Wegen der ungewöhnlich hohen Temperaturen hatte man die Kirchentür offen gelassen. Eine Katze, die offenbar von den Klängen angelockt wurde, nutzte dies, um in die Kirche zu laufen und vor den Füßen der Chorsänger hin und her zu spazieren. Es war aber nun beileibe keine Katzenmusik, die da zu hören war - im Gegenteil: Chor und Solisten ließen sich nicht irritieren, agierten in diesem Moment genauso konzentriert wie den ganzen Abend. Alle Beteiligten vermochten die Zuhörer in der vollbesetzten Kirche zu begeistern.
Mit Georg Metz ist es dem Ökumenischen Chor gelungen, einen überaus versierten und renommierten Leiter zu gewinnen. Der aus Jockgrim stammende Metz war nach Stationen an verschiedenen deutschen Theatern erster Chordirektor an der Deutschen Oper Berlin und am Nationaltheater Mannheim. Nach dieser Zeit wirkte er als freier Dirigent, hat in der Rhein-Neckar-Region viele Chöre geleitet. Seine Qualität als Chorleiter konnte er in Schifferstadt beweisen. Mit eindringlicher, suggestiver Zeichengebung animiert Georg Metz den Ökumenischen Chor zu wohlklingendem und ausdrucksstarkem Gesang.
Von seinem Vorgänger übernommen hat er das Konzept eines durchgestalteten Programms. Das Motto hieß diesmal ”Der Tag im Leben eines Christen”. Es war eingeteilt in drei Abschnitte zu den Themen Morgen, Mittag und Abend. Zu Beginn erklang ”Brich an, du schönes Morgenlicht” aus Bachs ”Weihnachtsoratorium”. Sicher und klar wurden die polyphonen Verläufe gestaltet, ebenso wie bei den anderen älteren Sätzen. Mit innigem Gefühl kam dann die Romantik von Friedrich Silchers ”Jauchzet dem Herrn” und Conradin Kreutzers ”Schon die Abendglocken” herüber. Große dynamische Spannweite vom zarten Piano bis zum mächtigen Fortissimo gab es in Max Regers ”Dein o Herr ist die Kraft”.
Der Bassbariton Thomas Herberich hat eine enge Beziehung zum Ökumenischen Chor und seinen Leitern. Und das nicht nur, weil er oft mit ihm singt: Klaus Link war sein Entdecker, mit Georg Metz arbeitet er regelmäßig zusammen und hat ihn auch mit dem Schifferstadter Chor zusammengebracht. Mit machtvoller Stimme, verständlich und klar in der Diktion, sang Herberich etwa ”Frühmorgens wenn die Hähne krähn” von Franz Abt oder Silchers ”Das ist der Tag des Herrn” und weitere Solobeiträge.
Dass das Fagott weit mehr ist als ein etwas skurril aussehendes Instrument, das im Holzbläsersatz die Basslinien spielt, zeigte Christian Schmidt, als er melodiös vier Sätze des Barockmeisters Joseph Bodin de Boismortier vortrug. Zum Abschluss fanden sich alle Mitwirkenden zusammen bei dem Hymnus ”Du lässt den Tag” von Clement Scholefield. Zwischen den einzelnen Blöcken sprach Pfarrerin Barbara Abel-Pohlack jeweils ein Gebet zu den einzelnen Tageszeiten. Von Uwe Engel 

Mittwoch, 11. Januar 2012

Balsam für die Seelen aller Trauernden

Balsam für die Seelen aller Trauernden
Großes gemeinsames Konzert der Kantoreien des evangelischen Kirchenbezirks Südliche Kurpfalz in der Stadtkirche in Walldorf
Walldorf. (cds) Für ihr großes Konzert am
Volkstrauertag hatten die Kantoren des
evangelischen Kirchenchores Hockenheim,
des Schwetzinger Vokalensembles
und der Kantorei an der Stadtkirche
Wiesloch die evangelische Kirche in
Walldorf gewählt, die ihr 150-jähriges
Bestehen feiert. Schon eine Stunde vor
Beginn strömten die Konzertbesucher in
das schöne, frisch renovierte neugotische
Gotteshaus. Bald waren die Bankreihen
restlos gefüllt und die zusätzlich aufgestellten
Stühle besetzt, sodass nur noch
Stehplätze angeboten werden konnten.
Über den Besucherandrang freute sich
Dekanin Annemarie Steinebrunner, die
das Projekt initiierte und tatkräftig unterstützte
– auch mit ihrer Stimme. Monatelang
hatten sich die über 150 Sänger
mit den Kantoren Christian Schaefer
(Wiesloch), Christian Bühler (Hockenheim)
und Detlev Helmer (Schwetzingen)
auf diesen Abend vorbereitet. So
entstand aus drei Chören ein homogener
Klangkörper, komplettiert durch das 40-
köpfigen Heidelberger Kantatenorchester.
Eine solche Klangfülle erfordern
nämlich das monumentale „Deutsche
Requiem“ von Johannes Brahms und
Psalm 42 „Wie der Hirsch schreit“ von
Felix Mendelssohn Bartholdy.
Wenn die Tage kürzer und kälter werden,
fühlen sich die Menschen an ihre
Endlichkeit erinnert und gedenken der
Verstorbenen. Trost bieten diese großen
Werke: „Psalm 42“ und das „Deutsche
Requiem“ sind als Musik für die Lebenden
zu verstehen. Balsam für die Seelen
aller Trauernden durften die Zuhörer in
der Stadtkirche erleben.
Mendelssohns Psalmvertonung erfreute
sich schon zu seinen Lebzeiten großer
Beliebtheit. Geheimnisvoll, wie aus
dichten Nebeln, setzte das gut disponierte
Orchester ein. Der erste Choreinsatz
gehörte dem Alt, der mit „Wie der
Hirsch schreit nach frischem Wasser“
lieblich das Thema vorstellte, das die übrigen
Stimmen nach und nach aufnahmen
und kontrapunktisch verarbeiteten.
Eindrucksvoll ließen die Sänger der
Schwetzinger und Wieslocher Kantoreien
unter der Leitung von Christian
Schaefer das Werk erklingen. Im Gegensatz
zu den harten Worten des Psalms
verbreitete der weichtönende Eingangschor
Frieden und Trost. Mit großer Präsenz
glänzte der Chor.
Die anschließende Arie „Meine Seele
dürstet nach Gott“, ergreifend gesungen
von Sopranistin Josefa Kreimes, führte
einen innigen Dialog mit der meisterlich
spielenden Solo-Oboe. Wunderschön gelang
das Zwiegespräch zwischen Sopranistin
und dreistimmigem Frauenchor.
Josefa Kreimes, die von der Kanzel aus
sang, beeindruckte mit ihrem warmen
Sopran. Stimmgewaltig setzten die Tenöre
und Bässe im vierten Satz ein. Unter
die Haut ging das wunderschöne
Quintett „Der Herr hat des Tages verheißen
seine Güte“ der Männerstimmen
zusammen mit dem Solosopran. Zutiefst
beeindruckte die machtvolle Schlussfuge
„Preis sei dem Herrn“.
Brahms beschäftigte sich mehr als ein
Jahrzehnt mit seinem „Requiem“. Der
Tod seines Freundes Robert Schumann
und der seiner Mutter hatten ihn erschüttert
und veranlasst, sich mit Tod und
Ewigkeit auseinanderzusetzen. Und vermutlich
wollte er seinem Rivalen Wagner
ein ebenbürtiges Werk präsentieren
– und ihm gelang damit der Durchbruch.
Er ging neue Wege und wählte tröstende
Texte aus der Lutherbibel, damals revolutionär,
zumal Christus als Erlöser
nicht vorkommt. Text und Musik berühren
die Menschen bis heute zutiefst.
Clara Schumann sagte, das „gewaltige
Stück“ wirke „erschütternd und besänftigend“:
Zwischen diesen Polen pendeln
die sieben Sätze des Requiems.
In tiefen Klangregistern, mit erdiger
Färbung, setzte das Orchester unter
Christian Bühler ein. Zart ließen die Chöre,
um die Sänger aus Hockenheim erweitert,
das „Selig sind, die da Leid tragen“
erklingen. Der Chor überzeugte als
ausdrucksstarker Klangkörper. Gleich
einem Trauermarsch erklang der zweite
SatzundjagtedenZuhörernSchauerüber
den Rücken, zumal ihn aufwühlende Orchesterklänge
und düstere Paukenschläge
begleiteten. Im gleichen Satz
wurde der Vergänglichkeit mit dem „So
seid nun geduldig, Ihr lieben Brüder“ die
Ewigkeitshoffnung entgegengesetzt.
Hervorragend gelang der Dialog zwischen
Bariton Thomas Herberich und
Chor im „Herr lehre doch mich“. Herberich,
der auch von der Kanzel sang,
überzeugte mit weichem Schmelz, aber
auch mit kraftvollem Zupacken. Detlev
Helmer dirigierte die letzten drei Sätze.
Traumhaft gestaltete Sopranistin Josefa
Kreimes die zu Herzen gehende Arie „Ihr
habt nun Traurigkeit“.
Im sechsten Satz erschollen machtvoll
die „letzten Posaunen“, brauste das
Orchester und jagten sich apokalyptische
Bilder von Tod und Hölle. Chor, Solist
und Orchester verschmolzen in einem
erschütternden Aufschrei. Dieses
furchterregende Toben in c-moll mündete
im feierlichen Hymnus „Herr, du bist
würdig zu nehmen Preis und Ehre“ in
strahlendem C-Dur. Die Freuden der
Ewigkeit ließ der zarte Schlusschor „Selig
sind die Toten“ erahnen.
Nach einem kurzen Moment atemloser
Stille brandete nicht enden wollender
Beifall auf. Die begeisterten Zuhörer
erhoben sich von ihren Plätzen und zollten
den Mitwirkenden ihre Anerkennung
für diese großartige Leistung.

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Presse zur Uraufführung "Kaltes Herz"

„Kaltes Herz“ rührt an

05.10.2011 - WORMS

Von Angela Zimmermann

KINDERTHEATER Uraufführung begeistert

Der Köhlerjunge Peter Munk (Thomas Jakobs) ist traurig. Wie gerne wäre er ein reicher Mann, stattdessen muss er Tag ein, Tag aus Holz zu Holzkohle verarbeiten. Peter Munk ist die Hauptfigur des neuen Musiktheaterstücks „Das kalte Herz“ der Musik-Bühne Mannheim, das im Wormser Theater nun uraufgeführt wurde.

Grundlage des musikalischen Märchens, geschrieben von Eberhard Streul, ist das gleichnamige Märchen von Wilhelm Hauff. Im „Wormser“ begeisterte Streuls Inszenierung Jung und Alt gleichermaßen. Klug, spannend und romantisch bringt Streul das Märchen auf die Bühne. Frank Steuerwalds Kompostionen verzaubern die Zuschauer und rühren die Herzen an. Im Zentrum der Handlung steht der arme Thor Peter, der unsterblich in Lisbeth (Anne-Kathrin Herzog) verliebt ist. Doch die tanzt lieber mit dem „Tanzprinz“ (Anne-Kathrin Herzog), der jedes Parkett zum Glühen bringt. Da kommt Peter eine Idee. Da er ein „Sonntagskind“ ist, möchte er das „Glasmännchen“ (Christina Prieur) herbeirufen, denn einer Legende nach erfüllt das Glasmännchen Sonntagskindern drei Wünsche. Gesagt, getan, Peter versucht sein Glück und begibt sich in den dunklen Tannenwald, wo das Männchen leben soll.

Waberndes, grünes Licht verbreitet eine mystische Atmosphäre. Ein paar kleine Eichhörnchen kommen Peter zu Hilfe. Kleine Rollen für Kinder gehören zum Konzept des Musiktheaters. Die Nachwuchsdarsteller gehören nicht zum Ensemble, sondern werden an den einzelnen Spielorten von den Veranstaltern akquiriert. „Manchmal holen wir sie auch spontan aus dem Publikum“, erzählt Streul.

Glasmännchen gewährt zwei Wünsche

Bevor es Munk gelingt, das Glasmännchen hervorzulocken, erscheint der „Holländer Michel“ (Thomas Herberich). Mit seiner vollen, dunklen Singstimme versetzt Herberich so manchem Kind zunächst einen kleinen Schrecken, doch der Effekt ist genau der richtige für die Rolle des Holländers, ein zwielichtiger, hinterhältiger Zeitgenosse. Er verspricht Peter große Reichtümer. Dieser wiederum verscheucht den Bösewicht und schafft es endlich, das Glasmännchen anzulocken. Zwei Wünsche werden Peter gewährt, den dritten enthält ihm das Glasmännchen zunächst vor. Peter wünscht sich, dass er tanzen kann wie der Tanzprinz und so viel Geld besitzt wie der reiche Ezechiel (Volker Gütermann). Tatsächlich gehen beide Wünsche in Erfüllung, doch als Ezechiel kein Geld mehr hat, ist Peter ebenfalls wieder mittellos. Verzweifelt lässt er sich doch auf einen Pakt mit dem Holländer ein, doch der vermeintliche Reichtum, den er Peter versprochen hat, hat seinen Preis. Nicht seine Seele, aber sein Herz möchte er dafür haben. Dieses pulsiert rot, als es der Holländer aus der Brust raubt.

Von nun an hat Peter einen Stein anstelle seines Herzens. Er wird reicher und reicher und heiratet Lisbeth, doch sie muss schnell feststellen, dass Peter nicht mehr der „alte“ ist. Nur das Glasmännchen kann die beiden noch retten.

Wieder einmal ist es Streul und Steuerwald gelungen, mit einer Inszenierung die kleinen, aber auch die großen Zuschauer zu fesseln. Rauschender, minutenlanger Beifall am Ende der Uraufführung gibt den beiden Recht, belohnt aber auch die Darsteller für ihre tollen Leistungen.

Dass das Stück ausgerechnet in Worms Premiere feierte, ist kein Zufall: „Die Endprobenbedingungen, die wir hier vorgefunden haben, hätten wir in Mannheim nicht gehabt“, erklärt Streul und lobt vor allem die gute Zusammenarbeit mit der Kultur- und Veranstaltungs GmbH. Nach der Uraufführung in Worms wird die Musik-Bühne mit dem Stück etwa 100 Mal im deutschsprachigen Raum gastieren.

Dienstag, 31. Mai 2011

Presse "Rumpelstilzchen" Kinderoper von Stefan Wasser

Rumpelstilzchen reimt nicht mehr

01.06.2011 - BAD KREUZNACH

Von Marieke Jörg

OPER Röka-Schüler inszenieren gemeinsam mit Berufsmusikern modernes Musik-Märchen

Eine Aufführung, so aufwändig, dass die eigenen Räumlichkeiten nicht genug Platz boten und das Gymnasium am Römerkastell (Röka) auf die Aula des Lina-Hilger-Gymnasiums ausweichen musste. Doch selbst dort reichten die Plätze ob des großen Andrangs nicht aus, und manch einer musste auf Ersatzstühle ausweichen.

Doch für solch kleine Unannehmlichkeiten wurden die Besucher mehr als entlohnt, denn das, was das Opernprojekt des Röka gemeinsam mit der Kurpfalzphilharmonie Heidelberg, der Sopranistin Gunda Baumgärtner und dem Bassbariton Thomas Herberich auf und vor der Bühne inszenierte, darf ohne Zweifel in der Kategorie „große Oper“ verbucht werden.

Zweieinhalb Stunden reine Aufführungszeit, drei Akte, fünf Bilder, zwei Pausen, und das an zwei aufeinander folgenden Tagen - das sind die harten Fakten, welche aber in keinster Weise die tatsächliche Größe der Aufführung von „Rumpelstilzchen“ unter Leitung von Stefan Wasser zu beschreiben vermögen. Denn sowohl die musikalische Untermalung durch das Philharmonieorchester als auch die Sangeskunst der beiden Solisten und die schauspielerische Leistung der Schüler bereiteten dem Publikum mehr als einmal eine Gänsehaut.

Besonders die Rollen des Rumpelstilzchens (Kevin Fischer), der Müllerstochter (Helke Heinemeyer und Vanessa Schumann) und des habgierigen Königs (Cigdem Diken) begeisterten das Publikum. Das Rumpelstilzchen entledigte sich in der Version von Stefan Wasser zudem der traditionellen Reime und präsentierte sich in einer modernen und provokanten Mischung aus Deutsch und Englisch.

Schülerin Jessica Kuhn verknüpfte zwischen den Szenen als Erzählerin die Handlungsstränge miteinander und kommentierte das Geschehen. Gemeinsam mit den Intermezzi des Orchesters schuf sie so einen rundum passenden Rahmen für die Schauspieler und die beiden Opernsänger, welche mit ihrer atemberaubenden Stimmgewalt buchstäblich den Saal zum Beben brachten.

Der glanzvollen Aufführung zugrunde lagen lange Wochen der Vorbereitung und der ehrgeizige Wunsch, dass „Kinder und Erwachsene, Laien und Profis, gemeinsam ein umfangreiches Musikstück erarbeiten“, so Hermann Bläsius, Schulleiter des Röka.

Die Zusammenarbeit darf in diesem Fall als voller Erfolg gewertet werden, denn die Darbietung stand in Virtuosität und Pracht einer Inszenierung auf den großen Bühnen in nichts nach. Sowohl die Proben als auch die Vorstellung selbst dürften für alle Beteiligten eine inspirierende Erfahrung gewesen sein. Stefan Wasser selbst erfüllte sich mit dieser Inszenierung einen lang gehegten Wunsch. Das Publikum zeigte sich ebenfalls in höchstem Maße begeistert und belohnte die Darsteller und Musiker mit frenetischem Applaus.

Mittwoch, 18. Mai 2011

Presse Chor-Orchester-Konzert Burgkirche Bad Dürkheim am 15.05.2011

Nichts geht über das Original

Chor-Orchesterkonzert mit „alter und neuer Barockmusik” in der Burgkirche


Von Roland Happersberger


Bad Dürkheim. Durchaus zufrieden konnte der Zuhörer mit dem Chor-Orchester-Konzert der Bad Dürkheimer Kirchenmusik unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Jürgen E. Müller zum Sonntag „Jubilate” in der Dürkheimer Burgkirche sein. Barockes stand im Mittelpunkt, ansprechend realisiert vom Bad Dürkheimer Kantatenorchester, der Kleinen Cantorey und einer Schar kompetenter Vokal- und Instrumentalsolisten.


Sehr eigenartig der Beginn. Das lag nicht an der Ausführung, sondern am Werk, einem „Concerto grosso für Streicher” des Briten Karl Jenkins. Das Concerto grosso ist eine typische Gattung des Barocks, Jenkins hingegen erblickte im Jahr 1944 das Licht der Welt und ist in Jazz, Pop, Sinfonik und geistlicher Chormusik ebenso zu Hause wie in der Fabrikation von Reklamemusik. Das „Palladio” benannte Concerto grosso sei eine Stilkopie, belehrte das Programm. Sollte da einer fröhlich im Stil des 18. Jahrhunderts komponieren wollen?


Nicht ganz. Das Werk wirkte wie ein Concerto grosso, dem das Concertino abhanden gekommen ist, also die Solisten, die die melodischen Akzente setzen. Immerdar wurden die selben kurzatmigen Motive ostinat wiederholt und bestenfalls leicht variiert, so als sei die Melodiestimme verlorengegangen. Die Art dieser Motive erklärte das Phänomen einigermaßen: So ähnlich wird „Minimal Music” gemacht, aber Jenkins' - übrigens tadellos gespielte - drei Sätze waren nicht immer, aber über weite Strecken schlicht ziemlich langweilig. Sie öffneten aber die Aufmerksamkeit dafür, wie große Anteile der nachfolgenden Werke auf ähnlich zubereitetem Begleitstimmen-Fundament fußten - wobei in ihnen allerdings auch sonst genug passiert.


„Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen”. So beginnt der Eingangschor der Bach-Kantate BWV 12 zum Sonntag Jubilate, deren Thema die Verwandlung dieser Zustände, die von Gottes Hilfe erhoffte Wende zum Guten ist. Die Kantate wurde vorzüglich musiziert, klar aufgebaut, durchsichtig, angemessen und schön. Die Kleine Cantorey bewies Transparenz und Strahlkraft, die drei Solisten - Thomas Nauwartat, eleganter Altus, Andreas Seibert, bestens disponierter Tenor, und Thomas Herberich, ruhig-klarer Bass - gaben Arien und Duetten Ernsthaftigkeit und Ruhe, die Instrumentalbegleitung war ohne Tadel. Wunderschön, mild fließend, zur meditativen Versenkung einladend.


Dann Bachs 3. Brandenburgischen Konzert in G-Dur, das den Musikern einiges an solistischer Standfestigkeit abverlangte. Drei Geigen, drei Bratschen, drei Celli, dazu der Generalbass führen die lebhaften Ecksätze aus, den langsamen Mittelsatz hat Bach nicht notiert, an seine Stelle tritt eine improvisierte „Cadenza”, die Thomas Göttelmann gekonnt am Cembalo ausführte. Das Spiel der Streicher hatte Schwung und Zusammenhang, wobei besonders der erste Geiger, Nils Hilbert, durch entschieden und sicher gestaltendes Spiel für sich einnahm.


Das vielleicht schönste Erlebnis des Konzert war aber Johann Pachelbels Kantate „Jauchzet dem Herren, alle Welt”, in der Machart einfacher als die Bachkantate, aber dadurch oft überraschend. Sie begann, nach kurzer Sonata, mit einem prachtvollen, strahlkräftig vorgetragenen Eingangs- chor, strahlend-frisch danach die Tenor-Arie mit feiner Generalbassbegleitung und Ritornellen, in denen Flöte und Oboe wunderbar musizierten. Ein Höhepunkt: der von einem Solo des Chor-Alts eingeleitete Choral „Nun danket alle Gott”, ein kunstvolles polyphones Gebilde, das die Cantorey durchscheinend und freudesprühend vergegenwärtigte, geradezu jugendlich frisch. Dann ein Duett von Altus und Sopran (Iris Wagner), ungemein vergnügt, harmonisch, klangvoll und fein vorgetragen, dass es eine Freude war, eine knappe, ebenfalls vorzüglich gesungene Bassarie, schließlich eine etwas ausführlichere Arie, in die sich Sopran und Tenor teilten, dann die abermals strahlende Schlussfuge.


Das alles war auch musikalisch so reich erfunden, so knapp und im Grunde einfach verarbeitet, dass das Musizieren merklich Spaß machte. Und so war auch der Schlussbeifall verdientermaßen herzlich und ausgiebig, die Schlussdoxologie der Pachelbelkantate wurde als Zugabe gerne wiederholt.

Dienstag, 26. April 2011

Presse Homilius Landau Stiftskirche Karfreitag 2011

Blick auf die Passion

Gottfried August Homilius' Passionsoratorium „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld” mit Landauer Kantorei und das Südpfälzische Kammerorchester unter Stefan Viegelahn in der Stiftskirche.

Es hat etwas Gegensätzliches, Widersprüchliches an sich, am Tag nach Ostern über den Karfreitag nachzusinnen, wenn bereits das freudevolle Halleluja um den Sieg über den Tod erklungen ist, nun aber in der Betrachtung des Geschehens auf Golgatha der schwere Klang tiefer Trauer und wehmütiger Klage nochmals nachhallt, die es begleitet haben.

Karfreitag, kirchenmusikalisch gefeiert, ist meist ohne Bach nicht denkbar. Diesmal aber haben die Landauer Kantorei und das Südpfälzische Kammerorchester das kompositorische Schaffen eines anderen in den Mittelpunkt gerückt und Gottfried August Homilius ins Blickfeld gehoben, von dem es heißt, dass er zu Lebzeiten und noch Jahrzehnte danach weit berühmter gewesen sei als sein Lehrer Johann Sebastian Bach. Wieder zahlte sich in Verständnis erweckender Weise die schätzenswerte Gewohnheit der Stiftskantorei aus, mit dem im Programm enthaltenen Geleittext Gertie Pohlit zu Wort kommen zu lassen, die in kluger Hinführung Leben und Werk von Homilius erschloss. Mancher wird zuvor bei der Erwähnung des Namens mit den Achseln gezuckt haben; nun wusste man aber, dass man einem Komponisten begegnen würde, der bei seinen Zeitgenossen hohes Ansehen genoss und sich durch reiches Schaffen auszeichnete.

Aufgeführt haben Kantorei und Kammerorchester mit „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld” ein Passionsoratorium, das sich von Bachs oratorischen Passionsvertonungen deutlich unterschiedet. Hier richtet ein nachbetrachtender Außenstehender den Blick auf die Vorgänge, ein Pfarrer mit Namen Ernst August Buschmann, der wohl häufiger für Homilius gearbeitet hat. Ihm stand er gleichsam als Berichterstatter zur Seite. Die Schilderung des Geschehens in Rezitativen und Arien wird mit weitgehend bekannten Chorälen verbunden. Diese geben dem Hörer als gedankliche Brückenpfeiler das Geleit durch die textliche und kompositorische Schöpfung.

Kantorei und Kammerorchester unter der Leitung von Stifts- und Bezirkskantor Stefan Viegelahn haben die Komposition in hoher harmonischer Übereinstimmung mit den Solisten Katharine Hannah Weber, Sopran, Judith Ritter, Alt, Steffen Barkawitz, Tenor und Thomas Herberich, Bass, wiedergegeben: bewährte und verlässliche Interpreten kirchenmusikalischer Literatur. Der ansehnliche Besuch bestätigte erneut die weitreichende Resonanz der Konzerte in der Stiftskirche. Auch Kirchenpräsident Christian Schad gehörte zu den Gästen des Konzerts.

In tadelsfreier vokaler und instrumentaler Artikulation war es ein akustisches Erlebnis, eine weitere Perle in der Kette der Darbietungen, die für die vorbildliche Pflege der Kirchenmusik an der Stiftskirche sprechen. Anders als mit reichem, überzeugendem Beifall nach der Totenglocke am Ende konnte diese Leistung nicht gewürdigt werden. (hd)

Mittwoch, 23. März 2011

KONZERT „Musik zum Buch Hiob“ in Kleiner Kirche Alzey

Zu Unrecht vergessene Meister

16.03.2011 01:00 Uhr - ALZEY

KONZERT „Musik zum Buch Hiob“ in Kleiner Kirche

(jwg). Weitgehend unbekannte Kompositionen standen beim Konzert der Evangelischen Kirchengemeinde unter dem Titel „Musik zum Buch Hiob“ in der Kleinen Kirche auf dem Programm. Der Bassist Thomas Herberich und Jürgen E. Müller an der Stumm-Orgel beeindruckten die Zuhörer mit ihrem ausdrucksstarken Vortrag und einer Auswahl wenig gehörter Meisterwerke.

Eine Ausnahme bildete die zweite Orgelsonate in c-moll von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Sie gehört zu den Meisterwerken der romantischen Orgelkunst. Voller reizvoller, zukunftsweisender Harmonien und klassisch-romantischer Melodieführung, ist sie doch deutlich von ihren barocken Vorbildern geprägt.

Von Samuel Scheidt und Johann Gottfried Walther stammen die Orgelchoräle zu „Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen“. Deutlich war der Unterschied der frühbarocken, vom Organisten durch eine altertümliche, grellfarbene Registrierung unterstützten Bearbeitung Scheidts zu der ausladenden, hochbarocken Version Johann Gottfried Walthers zu erkennen. Mit Sebastian de Brossards Kantate „O plenus irarium dies“ stand ein weiteres barockes Werk eines offenbar unterschätzten Komponisten auf dem Programm. De Brossard, eigentlich mehr als Sammler und Herausgeber von alter Orgelmusik bekannt, beherrschte alle Mittel der barocken Kompositionskunst: Ausdruckskraft, Dramatik, musikalische Symbolik, dazu natürlich alle Formen polyphoner Satztechnik. Thomas Herberich belebte das Stück zusätzlich mit seinem Gestaltungsreichtum. Von dramatischen Ausbrüchen über lange Koloraturpassagen bis zu ruhigen, zarten Tönen überzeugte er vollkommen mit seiner kräftigen, sonoren Bassstimme, die bei diesem Stück große Flexibilität und darüber hinaus auch einen großen Tonumfang erfordert.

Dass Thomas Herberich auch ein überzeugender Rezitator ist, stellte er mit seinem Vortrag ausgewählter Passagen aus dem Buch „Hiob“ unter Beweis. Diese bilden die Grundlage für die spätromantisch, teilweise auch impressionistischen Orgelzwischenspiele des schwedischen Komponisten und Organisten Oskar Lindberg. Dem gewaltigen Stoff angemessen schwer und tiefgründig, sind diese Musikstücke dennoch ansprechend.

Von Johann Rosenmüllers, einem wiederum fast vergessenen, aber durchaus bedeutsamen Barockkomponisten mit abenteuerlicher Lebensgeschichte, stammt die Kantate „Von den himmlischen Freuden“ für Bass und Basso continuo, welche den Abschluss dieses hochinteressanten Konzertes bildete.

„Wirf Dich in den Staub” Pressestimme zum Konzert am 15.03.11 in der Schloßkirche Bad Dürkheim

„Wirf Dich in den Staub”

Herberich und Müller bieten beim Konzert zur Passionszeit in der Schlosskirche alttestamentarische Strenge

Von Inge Kirsch

Bad Dürkheim. „Beuge Dich, o Menschenseele" lautet der Titel einer „geistlichen Szene für mittlere Stimme und Orgel” des aus Mannheim stammenden, 2009 verstorbenen Komponisten Giselher Klebe. Das Stück gab auch dem Konzert zur Passionszeit den Namen, das der Bass-Bariton Thomas Herberich und Jürgen E. Müller an der Orgel am Dienstag in der Schlosskirche in Bad Dürkheim aufführten.

Ein jäh einsetzender, langgezogener Ton der Orgel und die ebenso jäh einsetzende, voll tönende Stimme des Bass-Baritons klangen, als wenn einer der alten Propheten das Volk zur Umkehr riefe. In einem dramatischen zwölftonigen Vortrag werden die Allgewalt Gottes und die Nichtigkeit des Menschen beschworen. Des Menschen lächerliche Arbeiten, die er gegen die dröhnende Macht Gottes zu verteidigen sucht, seine schwachen Argumente, werden in meckernden, disharmonischen Tönen der Orgel abgetan, die Arbeiten Gottes laut bis schrill intoniert. Die Orgel braust förmlich bei der Aufforderung „Wirf Dich in den Staub vor Deinem Herrn und Gott!”, die Singstimme ist kaum noch zu hören. Die Beschwörung der „fliehenden Menschenseele” sich zu demütigen wird oft von lang anhaltenden Orgeltönen dramatisch unterstrichen. Endlich aber kommt der Lohn der Demütigung, die Farben der Musik hellen sich auf, die Töne steigen an, der Mensch wird als Kind Gottes in dessen Herrlichkeit aufgenommen.

Die folgenden Orgelchoräle zu Lied 518 des Evangelischen Gesangbuchs „Mitten in Leben sind wir vom Tode umfangen” entsprachen dann wieder mehr den vorherrschenden Hörgewohnheiten. Sie sind auch thematisch verbunden mit dem folgenden „O plenus irarium dies” des französischen Barockkomponisten Sebastien de Brossard. Der Tag des Zornes Gottes und des Untergangs der Welt wird von Thomas Herberich souverän mit diffizilen Koloraturen gestaltet. Die „Stürme des Untergangs” gehen über in ein sanft klingendes, nicht von Angst verzerrtes kindliches Gottvertrauen.

Ganz anders die Musik zum Buch Hiob des spätromantischen schwedischen Komponisten Oskar Lindberg: Hier wechseln sich Orgel und Rezitation ab. Der Sänger erzählt die Geschichte des Hiob. Die Personen, Hiob, seine Frau, seine Besucher, der Teufel und Gott, werden durch das Orgelspiel charakterisiert. Nur einmal, als Hiob Gott angeklagt hat und dieser ihm antwortet, im Wendepunkt der Geschichte, dem „Melodram”, erklingen Stimme und Orgel gemeinsam. Gott in seiner Macht verweist Hiob auf seinen Platz in der Schöpfung, seine beschränkte Einsicht berechtigt ihn nicht, mit Gott zu hadern, egal, welche Strafen er ihm schickt. Oskar Lindberg hat dieses Stück in Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Anders de Wahl geschrieben, und Thomas Herberich war hier auch in seinen schauspielerischen Fähigkeiten gefordert. Die sonore Stimme Gottes kontrastierte er merklich mit der metallisch gepressten Stimme des Satans und dem hämischen Ton von Hiobs Frau.

Hiob wird schließlich doch noch von Gott entschädigt und belohnt, so, wie es auch im letzten Stück, „Von den himmlischen Freuden” versprochen wird. Der Barockkomponist Johann Rosenmüller, der von seinen Reisen den italienischen Stil kannte, zeigt hier eine Form der symmetrisch konstruierten Solo-Kantate. Warnend werden die Menschen beschworen, ihr Heil nicht zu verspielen. Das Konzert endet mit einem vielfach wiederholten Amen, so sei es, „dass wir nach dem Tod erstehen, dass wir Gott im Glanze sehen.” So getröstet konnte das nicht sehr zahlreich erschienene Publikum seinen reichlichen Applaus für ein sehr vielfältiges Konzert spenden. Thomas Herberich war etwas erkältet und musste sich ab und zu räuspern, das tat aber der Qualität seines Vortrags keinen Abbruch.